Jubiläumsschau des VZV Därstetten II als Standortbestimmung

Anlässlich des 100jährigen Bestehens des Viehzuchtverbandes Därstetten II fand am 17.10.20 eine Jubiläumsschau mit Simmentaler Rindern und Kühen statt. Nach der Auffuhr des Viehs begann mit der Einzelbeurteilung der Tiere durch die Experten der offizielle Teil. Anschliessend überzeugte sich das Publikum bei der Vorführung im Ring vom fachgerechten Urteil der Experten.

Nach dem Mittagessen begannen mit den „Misswahlen“ und der Übergabe der Ehrenpreise und der Auflösung der Tombola der optisch attraktivste Teil des Tages, eines Jubiläumstages, der mit dem Abzügeln durch das Dorf endete.

Genetische Mehrfach-Prägungen und „Zweinutzungsrassen“

Am Rande des Geschehens verdeutlichten Fachgespräche die Modernität der bäuerlichen Viehzucht im Simmental. „In der Zucht ist 1 plus 1 nicht immer 2“, wusste z.B. Ernst Jutzeler, langjähriger Besamungsexperte zu berichten. Wohl könne man sich das Erbgut heute „aus dem Katalog“ kaufen, doch „das Glück“ spiele eine grosse Rolle.

Die Simmentaler Kühe und Rinder selbst spielen, je nach Zuchtziel, Rasse und der konkreten Ausrichtung eines Hofes, eine Doppelrolle sowohl als Milch- und als Fleischlieferant. Dabei sah man auf der Viehschau von allen drei im Simmental heute vorherrschenden Rassen, Simmentaler, Red Holstein und Swiss Fleckvieh, hervorragend bewertete Tiere.

Kulturelle Doppelrolle

Die Viehzuchtbetriebe wie die des VZV Därstetten nutzen und bestimmen die Landschaft des Simmentals mit ihrer Bewirtschaftungsform. Sie prägen und pflegen damit auch das touristisch genutzte Erscheinungsbild bis hinauf zum Stockhorn. In ihrem Selbstverständnis schaffen sie etwas, was „Wert“ hat: Nicht nur finanziellen, sondern kulturellen Wert.

Hinzu kommt der naturnahe Umgang mit den Tieren, der in solchen Viehschauen mehr als nur eine Nebensache ist: Das Vieh ist nicht bloss „Produktionsmittel“, sondern es ist Partner. Und so sind die Ehrungen dieser Därstettener Viehschau auch beides gewesen: Anerkennung für die Züchter und Wertschätzung der Tiere.

Jubiläums-Viehschau in Därstetten: Auch kulturell ein bedeutendes Ereignis.

Festredner warnt vor „Reservatbildung“

Der Festredner des Tages ging noch einen Schritt weiter. Thomas Roffler, Präsident des Bündner Bauernverbandes und selbst Landwirt, der eigens aus dem Prättitgau angereist war, sprach dabei eindrücklich: Die Schweiz solle kein Park mit „landwirtschaftlichen Reservaten“ werden, in denen man wie von aussen das anschaut, was man eigentlich nur von innen erleben und wertschätzen könne. Und die Viehschau in Därstette sei Ausdruck einer grossen wirtschaftlichen Anpassungsfähigkeit des Bauerntums, das man fördern und erhalten müsse. Er sprach wohl vielen aus der Seele.

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