Wie geht Home-Office?

«Corona und kein Ende»: In einem Service-Beitrag geben wir einen kurzen Überblick über die wichtigsten Dinge, auf die man bei der Arbeitsweise «Home-Office» achten muss

Schon ein «Alter Hut»?

Zwischenzeitlich hat fast jeder schon einmal «Home-Office» gemacht. Zwischen Babywindeln, dauerbelegten Telefonleitungen und hastigen Zwischenmahlzeiten versucht man nun auf einen Schlag, zwei Welten zusammenzubringen, die bislang meist streng getrennt waren: «Home» und «Office».

«Allzu technisch» will dieser Beitrag nicht sein, doch man könnte in Versuchung kommen: Geradezu explosionsartig häufen sich die – fast ausnahmslos technisch orientierten – Angebote zum Thema «Home-Office». Alles überschlägt sich.

Doch wie sieht die Praxis aus? Sie ist nicht so sehr technisch geprägt, andere Faktoren scheinen bestimmender. Es ist eine Praxis, von der in diesen Tagen auch eine der grossen Schweizer Versicherungen schreibt: «… haben Sie Verständnis, dass… vielleicht auch einmal eine Kinderstimme ins Gespräch platzt».

Wir zeichnen deshalb hier einen fiktiven Home-Office-Tag nach. Ein Tag, wie er im Alltag sein könnte. Und wir machen das eine oder andere «Fenster» dazu auf, wie dieser Home-Office-Tag eigentlich sein sollte.

Der Auftrag

Man hat sich das mit dem «Home-Office» ja nicht unbedingt selbst ausgesucht, sondern man wurde vom «Office» nach Hause («Home») geschickt und soll nun dort die Arbeit erledigen, für die man sich in der Firma einen professionellen Arbeitsplatz eingerichtet hatte: Inklusive Internet, Telefon, Akten, Ablage, Kopierer, Kaffeemaschine usw.

Nun aber ist der Auftrag klar: Mann/Frau ist zum Arbeiten nach Hause geschickt. Dafür bekommt man weiter Lohn, aber arbeiten muss man dann ja auch noch, nicht nur sich selbst organisieren.

Da ist als erstes das rechtzeitige Aufstehen. Stimmt, man spart den Weg zur Arbeit, aber man braucht unter den neuen Umständen vielleicht zu allem etwas länger: Die Mitbewohner, voran die Kinder, müssen ja auch nicht weg, und das braucht mehr Zeit, als man dachte.

Dann geht’s los. Der Arbeitgeber hat eine «Kernarbeitszeit» angeordnet. In dieser Zeit soll man auf allen Kanälen erreichbar sein. Es wäre die «Quadratur des Kreises», denn das ginge ja auch «im Büro» nicht. Und so kommt es, dass mancher Kunde – jetzt kommt eine echte Zahl – 37 Anrufe braucht, um mit der Servicemitarbeiterin der Pensionskasse verbunden zu werden.  

Allerdings kommt man, wenn man nicht auf einen Firmen-Server zugreifen kann (z.B. über VPN), nun leicht mit dem eigenen Laptop in Konkurrenz zu den Online-Speichern der Firma, da man ja mit einer privaten Identität auf einen «fremden» (Firmen-)Server zugreifen muss. Der Tipp wäre: Auf dem Laptop einen zweiten Nutzer anzulegen, der die Firmen-Identität wiederspiegelt. Das kann helfen.

Umfeld

Man muss im Home-Office jeden Tag neu in Ruhe «aufgleisen»: Ein Beginn um «punkt 8 Uhr» setzt voraus, dass man dann arbeitsbereit ist. Die privaten Morgenroutinen sind erledigt, und am besten hat man eine eigene «Ecke» oder (wäre super!) einen eigenen Raum eingerichtet. Ja, eingerichtet.

Denn schon das braucht Vorarbeit: Computer, Internet-Anschluss, WLAN überprüfen, Drucker einrichten, Papier, Schreibzeug, evtl. Schere, Klebstoff, leere Ordner, Register, Regal- oder Stauraum für die Arbeitsergebnisse, die nicht «in der Cloud» existieren.

Keinesfalls: «Auf der Bettkante» arbeiten, im Badezimmer (da stört mich keiner»), auf dem Sofa (ausser das ist die allerletzte Möglichkeit). Auch Gäste-Toiletten können kurzfristig Notlösungen für ein Home-Office sein. Es gibt nichts, was es nicht gibt.

Timing ist alles und die Pausen

Das Wichtigste sind Absprachen zu Hause, mit «den Lieben»: Zeiten müssen zum Arbeiten (so gut es eben geht!!) «störungsfrei» gehalten werden. Wenn es (z.B. Kinder!) nicht anders geht, offen mit allen reden: Lösungen finden! Auch mit dem Arbeitgeber reden: Z.B. auf 50% reduzieren, wenn es nicht anders geht (Rest evtl. Kurzarbeit beantragen, die Lohnreduktion sollte sich nur auf die Kurzarbeitszeit auswirken, bleibt also überschaubar). Mit den Hausgenossen reden. Mit den Freunden. Es ist paradox: Die Isolation fördert am Ende den Austausch.

Das Wichtigste am Arbeiten sind die Pausen. Aber er ist nirgendwo wahrer als im Home-Office. Bestmögliche Zusage-Disziplin wahren! Wenn 12:15 Familienessen angesagt ist, ist 12:15 Familienessen. Allen zeigen, dass wir uns aufeinander verlassen können. Wenn es drauf ankommt, und jetzt kommt es drauf an.

Und nach der Pause geht die Arbeit ebenso zuverlässig weiter. Nicht jagen lassen, wir sind bei der Arbeit, nicht auf der Flucht! Arbeitsberge werden uns nicht «weglaufen», sie sind morgen auch noch da. Und gerade jetzt haben viele Verständnis für fast alles.

Haltung & Kleidung

Schon am Morgen, und erst recht nach der Mittagspause, sollten Arbeitshaltung und Arbeitskleidung «geschäftmässig» sein: Es muss kein Bürostuhl sein (Homeoffice ist eine temporäre Massnahme), aber man muss aufrecht sitzen können dabei! Und man glaubt es kaum: Waschen, Herrichten, Büro- oder Arbeitskleidung anlegen und sich wieder herrichten, das gehört zum Job.

Denn man wird Videokonferenzen machen und Telefonieren, und da wird man gesehen. Und überhaupt: Die Kleidung bestimmt auch unsere innere Haltung zu uns selbst: «geschäftsmässig» sollte die sein. Aufgabenbezogen. Eine gute Figur machen, schon wegen sich selbst.

Konzentration

«Aufmerksamkeit ist alles». Im Home-Office ist sie doppelt wichtig, dreifach. Wenn sie nach dem Mittagessen schwierig wird («Blei in den Adern»), dann ein paar Übungen im Stand, vor dem Bürostuhl, wie beim Trocken-Ski-Training. Und Trinken, trinken, trinken. Dabei mehr Tee als Kaffee.

Konzentration ist auch Disziplin: Möglichst keine Musik im Hintergrund. Push-Nachrichten auf dem Smartphone unterdrücken, wenn sie nicht «zum Geschäft» gehören. Möglichst Tür zu, wenn man ein Zimmer hat, zur Not mal Ohrstöpsel rein, damit alles leiser wird. Und rausfinden, was man am Nachmittag («Schwächephase») am besten kann: Die eine telefoniert am Nachmittag besser, der andere kann in dieser Zeit besser Buchhaltung machen. Rausfinden, sich selbst entdecken, Zeit gestalten!

Ergebnisse

Wir sagten es schon: der Arbeitgeber darf, nein muss Ergebnisse erwarten. Protokolle führen, Berichte abgeben, Akten führen, und vermutlich wird und kann das alles elektronisch geschehen. Das wäre der gute Fall. Auftragsbearbeitung, Buchhaltung, Dokumentenverwaltung und anderes, all das kann in kürzester Zeit «in die Cloud» verlagert werden.

Auch Teams haben heute exzellente Möglichkeiten zusammenzuarbeiten, dazu gibt es z.B. von «den Grossen» gut verfügbare Tools («Teams», «G-Suite»). Dazu haben «Skype & Co» gerade Hochkonjunktur (siehe dazu Kasten «Video-Kanäle»).

Die Dinge im Hintergrund

Zuhause macht sich im Laufe des Tages der «Hintergrund» bemerkbar: Kaffee-Machen, Tee-Kochen, Essen, auch mal zwischendurch, die Familie, die Katze, das Kind. Und so genannte Freunde, die noch denken, man habe Urlaub, wenn man zuhause arbeitet. Auch hier gilt: Zulassen, was man nicht abschaffen kann. Aber klarstellen «was sein muss».

Und am Ende

Es ist schliesslich Arbeitsschluss, sagen wir der wäre um 17:30. Es gilt nun: Keine Arbeit mehr annehmen, Telefonate auf den nächsten Morgen verschieben, Chef SMS schicken («melde mich morgen»), alle offenen Dateien ablegen, Verbindung ins Büro um 17:28 «kappen», und dann noch kurz die To-Do-Liste für den kommenden Morgen machen. Fertig. «Düreschnufe».

Punkt 17:30 Uhr aufhören! Jedenfalls «in der Regel». Denn jetzt kommt ja noch der so genannte «Rest»: Partner in deren Aufgaben ablösen, Kinder versorgen, fürs «Grosi» einkaufen gehen… und dann auch noch was für sich selbst tun. Wenn es irgend geht. In jedem Fall rechtzeitig «abefahre», denn der nächste Morgen kommt bestimmt. Im Home, das zu einem Office geworden ist.

Der Beitrag ist leicht redigiert am 7.4.2020 im „Frutigländer“ erschienen

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