Wertschöpfungen und Kooperationen

Der Naturpark Diemtigtal hatte am 15. November 2019 zu einem Infoanlass gebeten. Themen: Neuigkeiten aus den Bereichen «Umweltbildung» und «Neue Produkte», aus dem «Freundeskreis» des Naturparks und einen Gastbeitrag aus dem Lötschental. Doch wer dabei war, erlebte über all das hinaus ein weit vorausschauendes, dynamisches und erfolgreiches Naturpark-Team. Ein inspirierender Abend.

Weitreichende Perspektiven

Norbert Schmid, Leiter der Geschäftsstelle Naturpark Diemtigtal, eröffnete den Abend, indem er eine exzellente Übersicht über die etwas komplex erscheinende Agenda des Naturparks in den kommenden Jahren gab.

Interessanterweise konzentrierten sich dabei die Erläuterungen intensiv auf die Frage, welche Beträge durch die touristische Bewirtschaftung des Naturparks in der Region «hängenbleiben», vereinfacht gesagt, wie gut sich der Naturpark rentiert.

Anders als man das hätte erwarten können, überraschte Schmid damit, dass er den Blick sehr fundiert in die mittlere und weitere Zukunft richtete: Es wurde ein strategischer Abend.

Anstehende Neu-Evaluation

Denn es steht in den kommenden Jahren die erneute Evaluation und Label-Vergabe als «Naturpark» an. Dabei ist es das Ziel, durch möglichst gute Leistung und überzeugende Darstellung in allen Gremien, für die Jahre 2022 bis 2031 erneut das begehrte Label vom Bundesamt für Umwelt (BAFU) zu erhalten.

Hierzu sind nicht nur Abstimmungen der Gemeinde-Versammlungen Diemtigtal und Zweisimmen (das über das Seebergsee-Gebiet eingebunden ist) im kommenden Jahr erforderlich, sondern auch die Eingabe einer Charta an Kanton und BAFU in den darauffolgenden Monaten.

Von der kaufmännischen Seite her beinhaltet diese Aufgabe eine möglichst klare Darstellung regionaler Wertschöpfungsgrössen, eine Aufgabe, die Nobert Schmid in seinem Einleitungsvortrag auf sehr informative Weise wahrnahm.

Schon jetzt scheint klar, dass der Naturpark im Diemtigtal eine zusätzliche Wertschöpfung pro Einwohner von jährlich ca. CHF 1’200 generiert. Und auch wenn diese Zahl nur sehr gut geschätzt ist, einfach weil sie auch gar nicht so ganz exakt ermittelbar ist, so weist sie doch in die entscheidend richtige Richtung: Die Organisation des Naturparks Diemtigtal ist für alle Beteiligten dann rentabel, wenn die programmatische Gestaltung (vereinfacht: «Nutzen für Natur und Mensch bieten») gelingt. Und dies scheint der Fall zu sein.

Eckpunkte der Programmgestaltung

Die programmatische Ausgestaltung in den Bereichen Umweltbildung (verantwortlich: Gabi Speck) und Produktbildung (verantwortlich: Karin Rix) stellen dann auch – neben den Bergbahnen, den Gastronomie- und vielfältigen Hotelbetrieben des Tales – die naturpark-typischen Elemente der eingangs erwähnten Wertschöpfungsketten dar.

Den Verantwortlichen gelang es dabei nicht nur, Interesse zu wecken, sondern sie konnten auf greifbare Erfolge verweisen: Die Umweltbildung hat im laufenden Jahr derart viele Anlässe organisiert, dass ab dem neuen Jahr eine zusätzliche Kraft (Frau Denis König) eingestellt werden konnte: 60 gebuchte Anlässe und über 1000 Individualkunden lasteten die vorhandenen Kapazitäten bereits 2019 voll aus.

Zudem wurde in den vergangenen drei Jahren (das geht «naturgemäss» nicht schneller) ein Produkt entwickelt, das man so sicher nicht erwartet hätte: Auf 900 m Höhe gedeiht im Diemtigtal seit Neuestem eine verwertbare Menge Weizen.

Kennt man die Geschichte der Simmentaler Region, so überrascht das nicht, denn vor den kalten Jahrhunderten der «Kleinen Eiszeit» im späten Mittelalter und im Barock muss man in vielen Gebieten des Simmentales von Getreideanbau als Nahrungsgrundlage der selbstversorgenden kleineren Höfe ausgehen. Für das Jahr 1314 ist im angrenzenden Saanenland sogar der anspruchsvolle Hirseanbau nachgewiesen. Ob sich hier der Klimawandel hier einmal positiv auswirkt?

Einen positiven Eindruck haben auf jeden Fall die Käse-Weizen-Brezeli hinterlassen, die beim abschliessenden Apero als neues Diemtigtaler Produkt aus dem «Hochland-Weizen» angeboten wurden. Das Produkt ist über das Tourismus-Büro Diemtigtal erhältlich.

Die Käse-Weizen-Brezeli aus dem Diemtigtal sind ein innovatives und überraschendes Produkt zugleich: Der dazu notwendige Weizen wird im Diemtigtal angebaut und verarbeitet.

Freunde des Naturparks

Eine wesentliche Bedingung für die Neu-Erteilung des Naturpark-Status dürfte auch die Fortsetzung der unter dem bisherigen Präsidenten Christian Germann so hingebungsvoll-positiv geleisteten Arbeit des Vereins «Verein Freunde des Regionalen Naturparks Diemtigtal» sein.

Der leider mit dem neuen Jahr ausscheidende Präsident präsentierte mit grosser Freude die Höhepunkte der 2019 geleisteten Arbeit, darunter die Wiederansiedlung des seit Jahrzehnten verschwunden «Alpenbocks», eines blau gezeichneten, rund 4 cm langen Käfers, der vor allem das Altholz der Buche besiedelt und als grosse Attraktion gilt.

Christian Germann, der Präsident des Vereins «Freunde des regionalen Naturparks Diemtigtal» präsentiert die Veranstaltungen und Erfolge des Vereins im Jahr 2019 mit sichtlicher Hingabe und Freude.

Gastvortrag: Modellfall Lötschental

Was als Gastvortrag angekündigt war, entpuppte sich dann abschliessend als absolutes Highlight: Der Walliser Hotelier Lukas Kalbermatten stellte die Entwicklung und den heutigen Auftritt des Kooperationsprojektes «Die Lötschentaler» vor.

In ungewöhnlich offener und sehr lebendiger Form entfaltete Kalbermatten Probleme und Erfolge des preisgekrönten und wegweisenden Kooperations-Projektes aus dem Lötschental. Einem Tal, das schon wegen der grossen Ähnlichkeit mit dem Diemtigtal (langes, nur einseitig offenes Gebirgstal) ein grosses Interesse bei den anwesenden Vertretern des Diemtigtaler Tourismus fand.

Der Ausklang des Abends beim späten Apero war dann dermassen anregend, dass man bis fast zur Mitternacht im angeregten Gespräch beieinanderblieb. Und auf die zukünftigen Anlässe und Aktivitäten des Diemtigtaler Tourismus darf man mit gutem Grund gespannt sein.

Bis fast an Mitternacht diskutierten die Gäste und Fachleute des Naturparks Diemtigtal im Rahmen des «Infoanlasses» am 15. November.

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