«Fischer machen Schule»: Ein pädagogisches Vorzeigeprojekt

Pädagogisches Vorzeigeprojekt: «Fischer machen Schule»

Die Engstligenauen bei Frutigen («Im Gand») waren Schauplatz eines pädagogischen Vorzeigeprojektes: Schule, Fischereiverband und Naturschutzorganisationen erzielten einen maximalen Lerneffekt.

Die «Begeisterung der Schülerinnen und Schüler» für den Lebensraum in und am Wasser zu nutzen, war das Ziel, das im Rahmen einer Projektwoche zum Thema Wasser von der Oberstufenschule Frutigen in Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Fischereiverband (www.sfv-fsp.ch ) und der Gewässerschutzorganisation «Aqua Viva» (https://www.aquaviva.ch/ ) am 27. und 28. 8. im Naturschutzgebiet Engstligenauen verfolgt wurde.

Das Ergebnis dieser Zusammenarbeit war an den beiden Tagen ein Unterrichts-Projekt, das aus der Initiative «Fischer machen Schule» (http://fischermachenschule.zic-dev.ch/ ) des Schweizer Fischereiverbandes heraus entstanden ist.

Faszination des Wassers genutzt

Und in der Tat gelang es, in den Siebtklässlerinnen und Siebtklässlern eine Faszination für die Seen, Flüsse und Bäche zu wecken. Doch was wissen die Jugendlichen über das Leben im und am Wasser tatsächlich? Welche Tierarten leben in den Gewässern unserer Gemeinden? Was brauchen diese Tiere zum Überleben? Das Projekt entpuppte sich als Praxistest: Würde es gelingen, aus der offensichtlichen Motivation der Teilnehmer einen spürbaren Lerneffekt zu erzielen?

Schüler und Jugendliche wurden dabei vor allem durch eigenes Tätig-Sein in und am Wasser mit der Empfindlichkeit der Wasserlebewesen und Fische bekannt gemacht: Die Sensibilisierung auf die zunehmende Gefährdung des Lebensraums für Fische stand im Vordergrund.

Motivierte Schüler – kompetente Lehrer

Drei Lern-Module wurden dabei eingesetzt, wie Beat Ludwig, der vor Ort anwesende Projektverantwortliche des SFV erläuterte: Fischkunde, Gewässerkunde /Wissen zum Lebensraum «Wasser» und als Drittes die Futtertiere der Fische.

Und er selbst zeigte in der einleitenden Unterrichtseinheit «Fischkunde» wie man – mit viel Ruhe und Einfühlungsvermögen – die im Durchschnitt rund 13jährigen Schülerinnen und Schüler motivieren kann: Schritt für Schritt beteiligte er sie an kleinen und grossen «Erkenntnis-Erlebnissen» und bereitete sie so auf die weiteren Schritte des vormittäglichen Programmes vor.

Beat Ludwig, Projektleiter beim Schweizerischen Fischereiverband, beim Unterricht zur «Fischkunde».

Als Schiedsrichter ihrer eigenen Erkenntnis-Fortschritte wurde die Oberstufen-Schülerinnen und Schüler in Frutigen an ihrem eigenen Lernerfolg beteiligt.

Nach der Fischkunde ging es folgerichtig ans Wasser: Susanne Steiner, Referentin für Umweltbildung bei Aqua Viva, bezog – exzellent vorbereitet – die Lerngruppen zusammen mit deren Klassenlehrerin Jil Karl, sehr aktiv ins Geschehen am und im Wasser ein. Mit Gummistiefeln oder wasserfesten Sandalen beschuht erkundeten und beschrieben die Teilnehmer zunächst den Lebensraum der Fische und Wassertiere, danach deren Futtertiere.

Die Frutiger Klassenlehrerin Jil Karl und die bei «Aqua Viva» für Umweltbildung im Kanton Bern Verantwortliche Susanne Steiner mit zwei Teilnehmerinnen bei der Gewässerbeobachtung.

Besonders das letztere hat offensichtlich nicht nur viel Spass bereitet, sondern auch völlig neue Einsichten ermöglicht, Einsichten in Welten, die man sonst nicht wahrnimmt: Die Welt der kleinen Insekten, Krebse und Larven, die im gesunden Wasser leben können und den Fischen als Nahrungsquelle dienen.

Viel Spass im Nass: Mit grosser Begeisterung stürzten sich die Schülerinnen und Schüler der 7. Klasse in ihre «Erkenntnis-Aufgaben» in und am Wasser der Engstligen.

Genau diese Empfindlichkeit der meisten dieser (aus Sicht der Fische) Futtertiere macht sie auch zu «Zeigetieren» (Indikatoren) für die Wasserqualität. Und die Wasserqualität der Engstligen an der untersuchten Stelle sei offensichtlich «richtig gut», erklärte Susanne Steiner nach Sichtung der von den Schülern eingesammelten (und anschliessend wieder ausgesetzten) Wassertiere.

«Mit den Augen der Natur sehen»

Was an diesem Vormittag gelang, war ein Perspektivwechsel auf Seiten der Schülerinnen und Schüler. Und das war auch der eigentliche Lernerfolg.

So ist es auch erklärlich, dass einige wichtige Grundkenntnisse im Umgang mit dem für die Schweiz so wichtigen Element (und Wirtschaftsfaktor) Wasser durch das Projekt «Fischer machen Schule» vermittelt werden konnten. Dazu gehören auch ansonsten eher ungewöhnliche Begriffe wie «Fischfressende Vögel», «Mikroverunreinigungen» oder «Wanderhindernisse», letzteres ist vor allem für das Verschwinden der Lachse aus den Gebirgsflüssen verantwortlich.

All das hat sich, wie so Vieles, nicht ohne finanzielle Unterstützung «von aussen» realisieren lassen: In diesem Fall war es die Vereinigung «111er Club» (der Club förderte auch schon die Ausstellung „Wie der Fisch auf den Berg kam“ im Tropenhaus Frutigen), deren Spendenbeiträge solche zeitintensiven, aber erkennbar effektiven Projekte überhaupt möglich macht. – Ein beeindruckender Vormittag mit schönen Bildern und engagierten Teilnehmerinnen und Teilnehmern.

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