Neue Plätze – Neues Reglement

„Was wächst denn da?“ – Die KITA-Erweiterung in Reichenbach

Wenn man von einer Pflanze – etwa einem Büschel Gras – einen Ableger zieht, dann hat der Ableger das selbe Erbgut wie die Ausgangspflanze. In ähnlicher Weise verhält es sich mit der in diesen Tagen entstehenden «KITA Kinderzimmer» in Reichenbach: Man kann zuschauen, wie sie aus der «Mutter-KITA» in Frutigen herauswächst. Ein Stimmungsbild.

Wachstum, Kinderspielplatz, Bauarbeiten: Alles auf einmal sieht man gerade in der neu entstehenden «KITA Kinderzimmer» an der Alten Strasse direkt hinter dem Reichenbacher Bahnhof. Hier mit Mitgliedern des Rotary Club Bern, die im Aussenbereich der neuen KITA in Reichenbach zwei Tage ehrenamtlich mitarbeiten.

Gleiche Pflanze – Neues Gewächs

Man kann wirklich beim Bild der Pflanze bleiben, wenn man die in diesen Tagen entstehende KITA Kinderzimmer in Reichenbach beschreibt: Es sind die selben Formen und Ideen wie man sie aus Frutigen kennt, die selben «Gene», die selben Konzepte.

Es sind sogar die selben «KITA-Gärtnerinnen», die als Initiantinnen für die Reichenbacher Erweiterung der seit 2014 existierenden «KITA Kinderzimmer» in Frutigen verantwortlich zeichnen. Und selbst das ist ein passendes Wort, denn gemeinsam sind sie im Handelsregister des Kantons Bern als Verantwortliche für die GmbH eingetragen, deren alleinige Gesellschafterinnen sie sind: Ursula Wandfluh und Martina Klossner.

Und es sind sogar ähnliche «Pflänzchen», also vergleichbare Kinder-Profile und ähnliche Familien-Situationen, denen dort- in den beiden KITAs – ein Teilzeit-Zuhause gegeben wird. Und an jeder Ecke, am Tisch, im Schlafbereich, beim Spiel und in der Küche, so zeigt es Geschäftsführerin Ursula Wandfluh, während wir mit «Beobachtungsinstrumenten» wie Kamera, Stift und Papier durch den «Kinder-Garten» gehen, sind die wesentlichen Elemente eines gemeinsamen Erbgutes sichtbar. «Spiel-Räume» im wörtlichen Sinne.

Tisch, Bett, «Spiel-Räume» und Küche

«Wer hat von meinem Tellerchen gegessen?» – So heisst es in dem Märchen von den sieben Zwergen. So ähnlich soll es auch bald in der KITA in Reichenbach aussehen.

Die kleinen Kinderbetten in Frutigen: Fast wähnt man sich in das Märchen von den sieben Zwergen zurückversetzt: «Wer hat denn in meinem Bettchen geschlafen?».

Die helle Frutiger Spielecke, ein echter «Spiel-Raum»

Urbild und Abbild

Und so ist eigentlich alles ein wenig wie das Abbild eines «Ur-Bildes», wie das Verdoppeln oder Kopieren von Erbgut, was in der «KITA Kinderzimmer» in Reichenbach gerade entsteht. Der Eindruck drängt sich jedenfalls auf, als wir zusammen mit Martina Klossner (Mit-Initiantin des Reichenbacher «Ablegers» und Gesellschafterin der 2014 gegründeten «KITA Kinderzimmer GmbH») auch die soeben entstehende Reichenbacher KITA in der «Alten Strasse» besichtigen.

Dabei hat das aktive Vielfachtalent Klossner bereits Arbeitskleidung und Werkzeug in der Hand und erklärt die vielen Facetten des neuen Projektes, während sie fast unablässig selbst Hand anlegt. Im Nebenzimmer organisiert die Sozialpädagogin und Hauptgesellschafterin der KITA, Ursula Wandfluh, schon wieder die nächsten Materiallieferungen für den Ausbau.

Auf der Baustelle der KITA in Reichenbache hat Mit-Initiantin Martina Klossner selbst Hand angelegt.

Seit 2014 ist Ursula Wandfliuh (hier am Telefon, bei Dispositionen in der Baustelle der neuen «KITA Kinderzimmer» in Reichenbach) die Hauptverantwortliche für die Frutiger «KITA Kinderzimmer».

Herz der Küche in Frutigen

Alleine die Küche (das «Wurzelwerk», um im Bild der Pflanze zu bleiben, aus dem die Nahrung kommt) bleibt noch auf einige Zeit in Frutigen angesiedelt. Dort agiert ein bewährtes und freundliches Team seit einem Jahr mit erheblichem Erfolg.

Die «neue Pflanze» in Reichenbach

Das erste, was die «neue Pflanze», also die gerade entstehende KITA Kinderzimmer in Reichenbach erhält, das ist eine neues Zaunfundament, Gartentörchen und zum Teil auch neue Gehwegplatten. Die alten sind lose.

Hierfür zeichnet der Rotary Club Bern verantwortlich und investiert an zwei Wochenenden eine grosse Menge Arbeit. Unter fachlicher Leitung das Bau-Experten Marco Garbani (Bern) leisten die «Rotarier» ehrenamtliche Tätigkeit auf dem Grundstück der neuen «KITA Kinderzimmer» in Reichenbach. Neben den Zaun- und Bodenarbeiten wird auch in grossem Umfang entrümpelt und «grobe Arbeiten» erledigt.

«Ohne diese Hilfe und die Unterstützung der Stiftung Plus Werk, die viel in die Vorbereitungsarbeit investiert hat, könnten wir die Ausbauarbeiten nicht in dieser kurzen Zeit bewältigen», erläutert Ursula Wandfluh. Mit vereinten Kräften also kann auch der enge Zeitplan der ab Anfang August in Funktion gehenden Einrichtung «KITA Kinderzimmer» in Reichenbach, eingehalten werden.

Betreuungsgutscheine und Geschichte eines organischen Wachstums

In einer ruhigen Minute erläutert die aus Reichenbach stammende Ursula Wandfluh die Geschichte des – um wieder im Pflanzenbild zu bleiben – organischen Wachstums der KITA Kinderzimmer. Ganz klein habe sie, nach einer Anregung von Martina Klossner, 2014 mit nur wenigen Kindern angefangen. Doch die Nachfrage sei seither ständig gestiegen (diese Zeitung berichtete mehrfach darüber), und die Gemeinde Frutigen habe das Projekt von Anfang an und bis heute unterstützt. Dafür sei sie sehr dankbar.

Auch käme jetzt, wo die neue KITA in Reichenbach «sprosst», die Einführung der kantonalen Betreuungsgutscheine zur rechten Zeit: Der immer mehr anwachsende Bedarf nach berufsbegleitender, flexibler Kinderbetreuung wird ab Anfang August vom Kanton und der Gemeinde Reichenbach finanziell unterstützt. Frutigen und andere Gemeinden kommen Anfang 2020 hinzu (siehe dazu den nebenstehenden «Kasten»).

Wie es funktioniert, das beschreibt die KITA Kinderzimmer auch auf ihrer Website, und es gibt dort auch ein Formular, das man herunterladen kann. Man reicht es beim Regionalen Sozialdienst Frutigen ein, welcher das Gesamtbild der Antragsteller beurteilt und die Zuschussfähigkeit prüft. Wird der Zuschuss der Gemeinde gutgesprochen, reduziert sich durch den Gutschein der Tagespreis der Einrichtung entsprechend. Die Gemeinde wiederum wird vom Kanton in dieser Aktivität finanziell unterstützt. So ist allen gedient.

Den kleinen «Pflänzchen», den Kindern, die in der KITA Kinderzimmer bereits ab dem vierten Lebensmonat betreut werden können, denen scheint es – wie unser Besuch gezeigt hat – rundum gutzugehen: Kleine, oft scheue aber auch neugierige Kinderaugen haben (bis auf die Baustelle in Reichenbach) alle Aktivitäten von Stift, Kamera und Telefon staunend und interessiert begleitet.

Martin Natterer

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