Augenmass: Ariane Nottaris im Porträt

Im Sommer und Herbst 2018 konnte ich mehrfach mit der Statthalterin des Bezirks Frutigen-Niedersimmental, Ariane Nottaris, sprechen, sie an Anlässen begleiten und sie auch in ihren Amtsräumen besuchen. Ein Jahr ist es nun her, dass die Statthalterin ihr Amt von Christian Rubin übernommen hat, dessen Vertreterin sie zuvor neun Jahre lang gewesen war. In den Gesprächen und Besuchen entstand ein facettenreiches Bild der Vertreterin der kantonalen Regierung, ihres Arbeitsstils und ihrer äusserst vielfältigen und an Anforderungen reichen Arbeit.

Die Statthalterin

„Statthalter“. Eigentlich kennt den Ausdruck jeder, der schon einmal die Weihnachtsgeschichte (nach Lukas 2.2) gehört hat: Der Kaiser Augustus beauftragt eine Volkszählung, es war die erste ihrer Art. Und «sie geschah, als Quirinus Statthalter in Syrien war». Bei den Römern vertrat der Statthalter den Kaiser als Regierungsorgan. Auch rund um die Ostergeschichte tritt ein weiterer Statthalter auf: Pontius Pilatus.

Und schon damals – hier ist die Brücke zu unserer Zeit – musste der Statthalter manchmal gegen seinen eigenen Willen eine politische Kompromisslösung herbeiführen: Pilatus wurde dabei durch den Satz berühmt, er wasche «seine Hände in Unschuld».

Ob dies der Statthalterin des Bezirks Frutigen-Niedersimmental, Ariane Nottaris insgeheim manchmal genauso geht, weiss nur sie selbst. Was aber jeder sieht, der sie in ihren Amtsräumen besucht oder auf Weiderundgängen begleitet, ist, dass sie eine Meisterin ist im «Brücken-Bauen», im Lösungen-Herbeiführen und im Eins-Machen sich anfänglich widerstrebender Parteien und Interessen.

Und wie sie dann ihre Arbeit sehr prägnant selbst charakterisiert, das ist sicher eine Art Leitmotiv für ihre gesamte Amtsauffassung: «Miteinander reden – das ist das Motto meiner Arbeit!»

Die Persönlichkeit

Zehn Regierungsstatthalterämter gibt es (gestützt auf Art 93 der Kantonsverfassung; sie sind demnach die „ordentlichen dezentralen Verwaltungseinheiten des Kantons“) im Kanton Bern, und davon sind vier mit Frauen besetzt: Alle zehn vertreten in sehr umfassender Form die Regierung des Kantons. Und es ist, bei der Fülle der Aufgaben, äusserst erstaunlich, dass das Regierungsstatthalteramt Frutigen-Niedersimmental mit insgesamt lediglich knapp 6 „Stellen-Prozent“ auskommt.

Doch wenn man mit Ariane Nottaris, der Statthalterin des Verwaltungskreises Frutigen-Niedersimmental mit Amtssitz in Frutigen, spricht, dann hat man nicht den Eindruck einer „Managerin“, die einfach rücksichtslos „ihre Ziele“ durchsetzt. Und schon gar nicht entsteht der Eindruck einer kalten, technokratischen Politikerin, die ihr Frau-Sein abgelegt hat, um den Job überhaupt machen zu können, den sie da seit nun einem Jahr ausübt.

Viel eher trifft man eine zwar sachbezogene, aber stets mit zutiefst menschlichen Bezügen agierenden Frau, der die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fast mit Begeisterung folgen. Und dies obwohl die Statthalterin betont, dass es schon auch dazugehöre, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter „ab und zu aus der Komfortzone zu holen“.

„Menschen inspirieren mich“, ist bezeichnender Weise einer ihrer ersten Sätze. Sie habe in ihrem Vorgänger, Christian Rubin, nicht nur einen guten Lehrmeister gehabt, sondern auch einen Vorgesetzten, der ihr – als seine Stellvertreterin – sehr früh die Möglichkeit gegeben habe, eigene Erfahrungen zu machen. Es sind diese langjährigen Erfahrungen, und nicht nur ihre gute juristische Ausbildung, auf die sie heute aufbaut.

Regierungsstatthalterin Ariane Nottaris im Laufe des Gesprächs.

Die Vorbereitung

Nach dem Studium an der Universität Fribourg (Jus) sammelte die Statthalterin an mehreren Stellen erste juristische Berufserfahrung, bevor sie im Herbst 2004 die Fürsprecherprüfung bestand. Im April 2005 schaffte sie den Spagat, in mehreren Teilzeitstellen gleichzeitig für mehrere Regierungsstatthalterämter im Berner Oberland, unter anderem auch bereits für Frutigen-Niedersimmental, zu arbeiten.

Seit 2008 arbeitete sie als Stellvertreterin von Christian Rubin (dem früheren Regierungsstatthalter, als dessen Nachfolgerin sie am 27.5.2017 gewählt wurde) alleine für das erst 2010 in der heutigen Form entstandene Regierungsstatthalteramt Frutigen-Niedersimmental.

In dieser Vorbereitungszeit  hat sie eine Ausbildung zur Mediatorin und zur „Führungsfachfrau Leadership“ abgeschlossen sowie Kurse in Krisenkommunikation und dem Management von aussergewöhnlichen Ereignissen besucht.

All das spürt man. Doch die Professionalität kommt leichtfüssig daher, den tiefsten Eindruck hinterlässt immer wieder ihre Nähe zu den Menschen in ihrem Verantwortungsbereich. Und das ist nicht nur Emotion, das ist eine sehr bewusste Kategorie in ihrem Wertesystem geworden.

Denn die Bevölkerung, sagt sie einmal ganz direkt, die dankt es nicht, wenn man Entscheidungen an ihr vorbei trifft. Und weder ausufernden Individualismus noch ein zu strenges Reglement solle man führen. Sondern man müsse mit den Menschen reden und sie ernst nehmen. Und dann kommt er nochmals, der Kernsatz: „Miteinander reden – das ist das Motto meiner Arbeit!“.

Der Arbeitsumfang

Dabei ist der Umfang der der Frutiger Statthalterin zugemuteten Arbeiten beträchtlich: Vier Ressorts hat sie zu bewältigen, und das klappt nur, weil sie den einzelnen Ressort-Verantwortlichen grosse Möglichkeiten schafft, selbst Verantwortung für ihren Bereich zu übernehmen. Ganz so, scheint es, wie sie es als Stellvertreterin ihres Vorgängers selbst erlebt hat.

Die persönliche Verantwortlichkeit

Persönliche Verantwortung trägt Ariane Nottaris natürlich unmittelbar für die Führung ihrer Mitarbeitenden, aber auch für die Koordination der Einsatzkräfte in „ausserordentlichen Lagen“ (allgemeine Gefährdungslagen jeder Natur, sei es für Mensch, Vieh, Natur oder Infrastruktur), für die Gemeindeaufsicht und als Ombudsperson für Anfragen an die kantonale Verwaltung jeder Art (mit Ausnahme von Baufragen).

Was sie daher immer selbst macht, weil es eine ihrer Kernaufgaben ist, das ist die Koordination der Gefahrenabwehr. Beispiel Mitholz. «Wir müssen uns wappnen. Und wir müssen dabei vom schlimmsten Fall ausgehen, und immer hoffen, dass es nie eintritt», brachte sie Ihr Verantwortungsgefühl Anfang Dezember 2018 gegenüber dem SRF-Rundfunk auf den Punkt.

Immerhin: Sie ist als Regierungsstatthalterin eine zentrale Drehscheibe der Führungsstäbe und Rettungsorganisationen. Sie ergänzt aber auch, dass gerade in der jüngsten Zeit enorm viel getan wurde, um sich – nach allen Aspekten – auf eine solche Situation wie im Mitholz vorzubereiten. „Wir dürfen einfach nicht die falschen Schuhe anhaben, wenn es losgeht…“

Der Kanton ist ganz nah

«Es sind die grundsätzlichen Aufgaben des Staates, der definitiv mehr macht als nur Steuern einzunehmen“, erläuterte sie schon im Sommer 2018 ihre Auffassung von Amt und Verantwortung. Sie spricht dabei von Schutz und Kontrolle zugunsten der Bevölkerung. „Es ist jedes Mal ein Aufsteller, wenn ich Bürgerinnen und Bürger oder den Gemeinden behilflich sein kann“. Staat als Macht also, das ja, aber nicht als Übermacht, sondern als fürsorgender Ordnungsfaktor.

Der Fachbereich Recht

Der Fachbereich Recht untersteht ihrem Stellvertreter, dem Rechtsanwalt Manuel Stettler, und ist unter anderem auch mit Rechtspraktikanten besetzt, die erste Erfahrungen im juristischen Beruf machen sollen.

Der Fachbereich Kanzlei und Gemeindeaufsicht

Der Fachbereich Kanzlei und Gemeindeaufsicht wird von Margrit Senderino samt Team mit helvetisch-italienischem Charme geführt.  Dort werden neben dem Kanzleibetrieb auch die Aufgaben „Gastgewerbe“, „Lehrlingswesen“. Für die Koordinaten der Gemeindeaufsicht ist Dorothe Luginbühl zuständig

Der Fachbereich Bau

Der Fachbereich Bau (Leitung Iwan Rösti) ist nicht nur für Wahlen und Baubewilligungen zuständig, sondern führt auch das Rechnungswessen des Amtes durch und bildet aus. Zudem übt er (ohne selbst Beschwerdeinstanz zu sein) auch Ombudsaufgaben aus.

Das Resümee

Alles in allem führt Ariane Nottaris damit eine kleine, aber offensichtlich schlagkräftige und von der regionalen Bevölkerung sehr geschätzte „Truppe“ an.

Am Ende blieben die abschliessenden Fragen: Wie sie sich denn in ihrem Verwaltungsbezirk fühle? Und es klingt überzeugend, wenn die im Emmental aufgewachsene Juristin fast wie im Nebensatz mitteilt, sie fühle sich im Frutigland und im Simmental „sehr wohl“. Daheim. Und wie hat sie selbst dieses erste Jahr in voller Verantwortung erlebt?

„Mein erstes Amtsjahr ist geprägt von unzähligen Eindrücken und vielen Begegnungen. Die vielseitige Arbeit bereitet mir grosse Freude, trotz dem grossen zeitlichen Engagement und der vielen Kraft, die ich bei der Lösungssuche und Vermittlung benötige.“ Wenn man sie mehrfach im Amt und mit den Leuten draussen erlebt hat, dann weiss man, dass sie die Wahrheit sagt.

Martin Natterer

Eine der ältesten Urkunden einer Frühform des heutigen Regierungsstatthalteramtes (aus dem Jahr 1830)  ziert die Wand des Frutiger Amtes der Regierungsstatthalterin.

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