Umfangreiche Strassen-Sanierungen stehen für die Ortsdurchfahrt von Erlenbach an: In den Jahren 2020 bis 2022 soll die durch den Ort führende Kantonsstrasse auf 1.1 km Länge von Grund auf saniert werden. Im Rahmen einer öffentlichen Orientierungsveranstaltung wurde das Projekt nun am 25. Oktober von Gemeinde und Kanton vorgestellt.

Rund 60 Interessierte aus Erlenbach und den umliegenden Orten wurden an dem Abend Zeugen einer ausserordentlich informativen und wohlüberlegten Präsentation. Den Rahmen verdeutlichte dabei Gemeinderatspräsident Simon Künzi gleich zu Anfang: «Ich bin froh, dass nun ein baureifes Projekt, das vor vierzehn Jahren seinen Anfang nahm, vor der Realisierung steht», eröffnete er die Vorstellung.

Diesen Faden griff der Kreisoberingenieur Markus Wyss dann auf und erklärte die Eigenheiten dieses, wie er sagte, sich «merkwürdig hinziehenden» Projektes zunächst aus dessen Entwicklung seit 2003, als mit den ersten Vorplanungen im Rahmen einer Projektgruppe begonnen worden war.

Die auf dem Podium vertretenen Verantwortlichen des kantonalen Tiefbauamts und des projektierenden Ingenieurbüros Theiler Ingenieure AG erläuterten dann in der Folge abwechselnd die gesamte Zielsetzung, aber auch die planerischen Details anhand der vorgesehenen Bauphasen des Projektes.

Erstes Ziel: Sicherheit

Dabei wurde deutlich, dass das erste Ziel der Massnahme die Sicherheit aller am Verkehr in Erlenbach Beteiligten ist. Dabei sind eine Fülle von Faktoren zu berücksichtigen: Sichtweite der Autofahrer, die Breite von Trottoirs, das Begrenzen von Fahrgeschwindigkeiten oder die Struktur und Beleuchtung von Fussgängerstreifen.

Vieles davon ist, so Markus Wyss in seiner umsichtigen und klug vorgetragenen Präsentation, durch bestehende Normen vorgegeben, und so manches davon konnte bislang in Erlenbach nicht eingehalten werden. Eben hier läge nicht nur das Potential von Verbesserungen, sondern auch die Notwendigkeit zur alsbaldigen Durchführung des Projektes.

Viele interessante Details

Daneben müssen jedoch in Erlenbach mit seinem beeindruckenden Bestand an historischen Häusern auch Aspekte des Ortsbildes und der Ökologie bedacht werden. «Die auch touristisch hoch attraktiven Häuser müssen geschützt werden, und Bäume gehören nun einmal zu den schönen und typischen Dingen des Simmentales», formulierte Kreisoberingenieur Wyss.

Ortsdurchfahrt Erlenbach: Beispiel der vielfältigen Überlegungen anhand eines Planausschnitts aus dem Ortszentrum

Viele interessante Details traten im Rahmen der ausgesprochen professionellen Präsentation von Kanton und Planungsbüro zutage: So beispielsweise das Zusammenwirken der sehr breit und schnell befahrbaren Sanierungsstrecke am von Wimmis her kommenden Ortseingang von Erlenbach (mit dem Flurnamen «Eselacker») und den dann nach der neuen Planung folgenden Verkehrsinseln.

Dort, so erläuterten die Verantwortlichen des Kantons und des Projektierungsbüros Theiler Ingenieure AG, käme eine zuverlässige Senkung der Geschwindigkeit des hereinfliessenden Verkehrs gar nicht durch die an den neuen Verkehrsinseln veränderte Strassenführung zustande. Sondern nach allen Erfahrungen des Kantons Bern sei es die Signalwirkung von Bäumen und Sträuchern, die die Strasse begrenze und die Autofahrer sehr wirksam zum Verlangsamen anhalte. Auch die Zufahrt zum Alterszentrum erhält damit einen optischen Mehrwert.

Interessantes Detail am – neuen – Orteingang von Erlenbach (aus Wimmis kommend): Neben den Verkehrsinseln bremsen vor allem Bäume «optisch» den Verkehr.

Moderate Diskussion

An der insgesamt moderat und überlegt geführten Diskussion beteiligten sich eine gute Handvoll Fachleute und betroffene Bürger. Dabei gaben Lage und Position von Verkehrsinseln in der Strassenmitte ebenso Grund zu teils besorgten Überlegungen wie die Anschlüsse der abzweigenden Nebenstrassen, beispielsweise die zum Bahnhof Erlenbach.

Grossratsmitglied Thomas Knutti beanstandete dabei die für Lastwagen «immer wieder» zu kleinen Radien von Abzweigungen oder abknickenden Strassen: Man müsse auch in der neuen Planung an einigen Stellen über die Gegenfahrbahn ausholen, um abbiegen zu können, und Berufsfahrer müssten ihre Fahrzeuge an einigen Stellen ihre Geschwindigkeit weit drosseln, um der Fahrbahnführung überhaupt folgen zu können.

In der Diskussion wurde dann aber auch klar, dass in dem insgesamt doch engen Erlenbach nicht alle an sich berechtigten Anforderungen bruchlos umgesetzt werden können. Es war jedoch angenehm, dass die Diskussion im Rahmen dieser Orientierungsveranstaltung sachlich und ohne jede Polemik geführt wurde.

Kosten im überschaubaren Rahmen

Nach Auskunft des Gemeinderatspräsidenten Simon Künzi betragen die Kosten für das Gesamtprojekt insgesamt 5 Mio Franken. Die Planung sieht vor, dass davon 3.6 Mio vom Kanton (Planung, Bauleitung, Strassendecke und Unterbau) und 1.4 Mio von der Gemeinde (Sanierungen der Werkleitungen und Anschlüsse) getragen werden.

In Anbetracht der geplanten langen Nutzungszeit der Investition (Teile davon sollen weit über 40 Jahre halten) schienen die Mittel auch in der späteren privaten Diskussion vor den im Schulhaus Hubel aufgestellten Plantafeln doch insgesamt sehr moderat und letztlich gut angelegt.

In einer für den 28. November vorgesehenen Gemeinderatsversammlung sollen die dafür notwendigen Mittel in Erlenbach genehmigt werden. Im Rahmen der kantonalen Genehmigungen soll der Strassenplan im Sommer 2019 und die erforderlichen Mittel im Herbst 2019 beschlossen werden.

Nach Auskunft ihres Gemeinderatspräsidenten plant die Gemeinde Erlenbach keine Fremdmittelaufnahme, sondern denkt daran, das Kapital für die Sanierung der Werkleitungen aus dem laufenden Haushalt zu bestreiten.

Gemeinderatspräsident Simon Künzi erläutert aus seiner Sicht interessierten Bürgern die Pläne und das Finanzierungskonzept

Pläne liegen auf

Die Pläne des Projektes liegen vom 1. Bis 30. November bei der Gemeinde Erlenbach zur Einsichtnahme auf. Einsprachen sind schriftlich an die Gemeinde zu richten.

Es steht zu hoffen, dass die an diesem Orientierungsabend rege und freundliche Anteilnahme der Bevölkerung auch in den weiteren Planungs- und Genehmigungsstadien anhält, damit einem Baubeginn früh im Jahr 2020 dann schliesslich nichts mehr im Wege steht.

Orientierungsabend in Erlenbach: Rund 60 Interessierte führten eine zum Teil rege Diskussion vor den informativen Plantafeln des Projektierungsbüros

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